Früher, wenn ich an meinen Widersprüchen zu verzweifeln drohte, meinte die Oma souverän Weise: “Alla bischt holt n Zwilling. ” Und ergänzte aufmunternd: “Un außerdem optimistisch!” Die Gute die zwar einige Jahrzehnte aber doch nur drei Tage vor mir Geburtstag feiert, weiß wohl ganz gut, was das heißt und dass man besser so früh wie möglich seinen Frieden damit schließt: Für uns gibt es halt nicht das eine oder das andere, nichts mit Tee oder Kaffee und Hund oder Katze, sondern immer: wenn das, dann auch sein Gegenteil.

Und weil das mit den Zwillingen immer so ist, gilt das auch heute: Ich liebe Weihnachten. Große Bäume mit roten Kugeln im Wohnzimmer, Bach Oratorium auf Anschlag, Kekse ( Oma würde sagen “Guzel”) , volle Kirchen, der Rumtopf darf verkostet werden, die alte Weissagungen der Propheten wollen gelesen werden und dann interpretiere ich zur Freude aller klassische Choräle schief auf diversen Blockflöten.

Aber weil das mit den Zwillingen immer so ist, hasse ich dieses Xmas Theater. Oh wie mir das gegen den Strich geht. Da hockt die Kirche voll und wenn dann die Orgel “Nun singet und seid froh” intoniert singt kaum einer mit. “Hallo jemand da? Weihnachten feiern ohne mitmachen is’ nicht” würde ich gerne der Gemeinde entgegenschleudern, “als Strafe singt jetzt mal die erste Bank alleine, ohne Orgel ‘Weck die tote Christenheit aus dem Schlaf der Sicherheit’”, traue mich aber ebensowenig wie endlich als Antwort auf den Nichtgesang ein “Scheiß Tribüne” anzustimmen. Aber auch so zeigt die Atmosphäre Wirkung. Fast Alle Jahre wieder bestätige ich die Kommunikationstheorie nach der eine gelungene Rede im Zusammenspiel von Redner und Hörer entsteht und versiebe unfröhlich die Weihnachtspredigt, auch wenn das Material mitunter gar nicht übel ist. Können die unterstellten unterschiedlichen Erwartungshaltungen je zusammenfinden?

Aber als Zwilling ist man ja seit Blogbeginn bekanntlich optimistisch. Und so nehme ich das Gute mit – darauf einem Rumtopf, praktiziere Nächstenliebe und verteile vor dem Blickflöteninferno Oropax und versuche mit der Born to Cook Weihnachtspredigt Duktus und Ton so verfehlen, dass die Sache ordentlich wird. Im Restjahr klappt diese Technik eigentlich ganz gut.